Yumetofu – der grosse Mut zweier Frauen
Als ich für ein paar Monate ein Kyoto lebte, fuhr ich jeden Tag mit dem Fahrrad nach Hause. Eines Tages entdeckte ich eine alte Einkaufsstrasse, in der fast alle Läden dauerhaft geschlossen waren. Einzig ein Tofuya schien noch offen zu sein. Ich fragte den älteren Herrn, ob er Yuba hat und kam so mit ihm ins Gespräch. Er wollte mich sofort einladen, mit ihm in ein Izakaya essen zu gehen. Sein Name war Susumu.
Meine Freunde die Tofumacher
Ich befreundete mich mit Susumu und seiner ganzen Familie und ging oft bei Ihnen vorbei. An einem Samstag um 04:00 morgens schaute ich mir Susumu‘s Produktion an. Sein Sohn Sei-Ichiro wurde langsam ins Unternehmen integriert. Tofu wird nach dem Pressen in einem kalten Wasserbad abgekühlt – als ich das erste Mal die schneeweissen Tofublöcke im Wasser schwimmen sah, wollte ich auch Tofumacher werden. Ich durfte an diesem morgen frischen Age (frittierter Tofu) probieren und da es zufälligerweise mein Geburtstag war, freute ich mich umso mehr über den köstlichen Snack.
Tofu - ein Lebensmittel, welches die Welt retten sollte
Ich befasste mich mit dem Buch «The book of tofu» von William Shurtleff, wo genau beschrieben ist, wie man eine Tofuproduktion eröffnen könnte. Tofu, so Shurtleff, ist in verschiedenen Formen so proteinreich wie Fleisch und könnte die Weltbevölkerung nachhaltig ernähren. Auch ist Tofu äusserst gesund und richtig zubereitet sehr schmackhaft. Es gibt im Grunde kein Argument, welches gegen Tofu spricht. Bei meinem nächsten Treffen mit Susumu fragte ich ihn, wie lange es dauern würde, um das Handwerk des Tofumachers zu erlernen – der Sohn, Sei-ichiro antwortete, dass man es in zwei Jahren erlernen könnte. Ich habe lange darüber nachgedacht, doch es fehlte mir der Mut und ich kehrte, ohne Tofumacher zu werden, in die Schweiz zurück.
Crowdfunding für eine Tofu-Maschine
Ein Jahr nach meiner Rückkehr versuchte unser Vater auf der Plattform «we make it» für ein Projekt Geld zu sammeln. Er schickte mir wiederholt den Link mit der Bitte um Unterstützung, also schaute ich mir sein Projekt genauer an. Zufälligerweise wurde ich auf der Plattform auf ein anderes Projekt aufmerksam gemacht: Zwei Frauen sammelten Geld für eine Tofu-Maschine – die sie aus Japan importieren wollten! Ich wollte die beiden Frauen sofort kennen lernen. Das Projekt war ambitioniert, vor allem der Import der Maschine während Covid und mit kompliziertem CE-Zertifikat stellte den Hersteller sowie die beiden Frauen vor grosse Herausforderungen.
Wie mich eine Maschine zum weinen brachte
Mit meiner Schwester besuchte ich die Tofuproduktion im Wildberg. Als ich den Klang der Soyabohnen hörte, wie sie von der Maschine zerkleinert wurden, erinnerte es mich so stark an Susumu und die schöne Zeit in Kyoto – ich hatte Tränen in den Augen. Meine Bewunderung für Yumemi und Geraldine war grenzenlos – sie haben es tatsächlich geschafft, ein Japanisches Handwerk, wie es in Japan über Jahrhunderte gemacht wird, in der Schweiz weiterzuführen.
Yumemi in der Tofuproduktion – Yumetofu wird von vielen Japanischen Restaurants verwendet
Ich hätte nie gedacht, dass es so hart wird
Yumemi ist inzwischen zu unserer Freundin geworden. Auf ihrer Tofu Auslieferung kommt sie regelmässig zu uns ins Suetsugu Haus. Bei unserem Bento Projekt verwendeten wir Yumetofu und Yumemi schläft auf einem unserer Futons. Die Tofu Herstellung ist hart, sagt sie uns. In Japan ist Tofu wie Backware, man isst sie so frisch wie möglich – Tofu ist nicht lange haltbar. Deshalb ist der Vertrieb schwierig und aufwendig. Trotzdem beziehen fast alle namhaften Japanischen Restaurants in Zürich Yumetofu. Auch die anderen Produkte wie Age, Tofu-Karaage usw. sind sehr beliebt. Yumemi sagt, sie hätte nie gedacht, dass es so hart werden würde und trotzdem steht in ihrem Whatsapp Profil «Happy Tofumaker».
Tofu aus Bio-Sojabohnen
Bevor die Tofu Maschine aus Japan angeliefert wurde, machte Yumemi zahlreiche Tofu Proben mit verschiedenen Sojabohnen. Schlussendlich entschied sie sich für Bio-Sojabohnen aus Deutschland. Die Bohnen werden vor dem Mahlen sorgfältig sortiert und gewaschen. Nach dem Mahlprozess wird durch ein spezieller Kompressor, der in der Regel nur im Medizinalbereich eingesetzt wird, extrem schnell Wasserdampf hergestellt. Mit diesem Dampf werden in hoher Geschwindigkeit die gemahlenen Sojabohnen gekocht. Der Vorgang dauert nur wenige Minuten, was das Besondere am Japanischen Herstellungsverfahren respektive der Japanischen Tofu Maschine ist. Durch dieses schnelle Kochverfahren bleiben die Aromen der Bohnen erhalten – der Tofu von Yumemi ist deshalb besonders schmackhaft, während Bohnen, die in einem normalen Dampfkochtopf weich gekocht werden, den Geschmack verlieren. Das könnte der Grund sein, weshalb industrielle hergestellter Tofu in der Schweiz als geschmacklos, fad und langweilig bezeichnet wird.
Yumetofu schmeckt am besten beträufelt mit etwas Sojasauce, Frühlingszwiebeln und geraffeltem Ingwer – optional auch mit Katsuobushi-Flocken. Ein Gericht, das in 5 Minuten zubereitet ist.
Tofu - nach traditioneller Japanischer Art - ein Besuch in der Tofuprodktion von Yumetofu auf dem Wildberg
Yumetofu kann in verschiedenen Läden gekauft werden. Neu auf Vorbestellung auch im Suetsugu Haus.
