Ratgeber: Futon & Tatami – Auswahl, Pflege und Kaufberatung
Inhaltsverzeichnis
Einordnung: Was ist ein Tatami
Tatami ist eine japanische Unterlage aus Igusa, auf Deutsch Binse genannt, die durch eine einzigartige, traditionelle Handwerkskunst erzeugt wird.
Tatami wird heute oftmals direkt mit traditionellem japanischem Wohnen verbunden, jedoch waren Tatami früher nur dem Adel vorbehalten. Japanische Häuser waren mit schwarzem Holzboden versehen und nur in einzelnen Räumen wurden Tatamis als Sitz- oder Schlafgelegenheit benutzt. Einen guten Einblick in ein altes, Japanisches Haus liefert Kawaii Kanjiros Wohn- und Arbeitshaus in Kyoto. Mit der Veränderung der japanischen Architektur, hat sich auch die Verwendung der Tatamis verändert. Ab ca. 1950 wurden in japanischen Häusern fast alle Räume mit Tatami bestückt. Tatamis wurden nicht auf den Boden ausgelegt, sondern vielmehr in einen Holzrahmen versenkt. So hatte man in Japan schon früh schwellenlose „Türschwellen“.
Aus was besteht ein originaler Tatami aus Japan
Ein traditioneller Tatami besteht aus drei Teilen. Die Oberfläche (Igusa), der Kern und die Ränder (Heri).
Die Tatami Oberfläche ist traditionellerweise mit einem gewobenen Teppich aus japanischer Binse (Igusa) bestückt. Igusa ist natürlich wachsig, mild grün und hat einen charakteristischen Geruch, der mit der Zeit verschwindet. Je dünner die Halme sind, desto mehr Fasern werden benötigt, um einen dichten Tatami Teppich herzustellen. Dünne, gleichmässige Halme, welche bis zur vollen Länge gewachsen sind, zeichnen einen hochwertigen Tatami aus. Sie verleihen dem Tatami ein gleichmässiges grün ohne Flecken und machen die Oberfläche glatt.
Horie Tatami verwendet hochwertige, qualifizierte Binse aus Kumamoto, Japan. Die Binse wird nach der Ernte in Naturschlamm (Amakusa) gefärbt und anschliessend getrocknet. Die grüne Farbe bleibt auf natürliche Weise lange erhalten.
Der Tatami Kern bestand früher aus 4-6 Schichten Reisstroh. Da heute Reis mit einer Maschine geerntet wird, fällt kein langfädiges Reisstroh mehr an, weshalb Reisstroh rar und teuer geworden ist. Als Kern wird deshalb Holz, Sand oder Polystyrene verwendet. Im Vergleich zu Reisstroh sind diese Materialien leichter – ein moderner Tatami wiegt ca. 8kg und ist somit sehr einfach in der Handhabung. Tatami aus Stroh sind bis zu 30kg schwer.
Horie Tatami verwendet einen Kern aus recyceltem Naturholz. Wird ein altes Haus abgebrochen, fällt viel hochwertiger Holzabfall an, woraus Tatami Kerne hergestellt werden.
Der Rand eines Tatami, das sogenannte Heri, wird in vielen Farben und Mustern hergestellt und kann aus Seide, Baumwolle oder chemischen Fasern sein. Früher wurden Heris aus Seide gewebt. Durch Symbole und Farben symbolisierten sie den Rang einer Person. So konnten dezent Bereiche in Räumen gekennzeichnet werden, wo sich ausschliesslich ranghohe Personen hinsetzen durften. Auch war man bemüht, beim Gehen auf Tatamis nicht auf die Heris zu treten. Diese Kennzeichnung durch Heris findet sich heute in Tempeln, Schreinen und Teehäusern. Übrigens, Tatamis mit schwarzen Heris kennzeichnen klassischerweise einen Arbeitsraum, beispielsweise eines Futonherstellers, Schnitzers usw. In Schlaf- und Aufenthaltsräumen werden verzierte Heris verwendet.
Horie Tatami benutzt Heris eines 120 Jahre alten Herstellers. Die Heris sind aus robuster Baumwolle gefertigt.
